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Ironman World Championship Hawaii 2011
Autor: Christian Ammer
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| Unfassbar - I am an Ironman |
Eigentlich sollte das Thema Triathlon in diesem Jahr nicht sehr weit oben auf meiner Prioritätenliste stehen, meine sportliche Saisonplanung war heuer fast nur auf Radfahren ausgelegt, denn Ende Juni stand die TOUR-Transalp auf meinem Programm und danach wollte ich noch ein paar Rad-Marathons fahren. Folglich traf mich Mitte April fast der Schlag, als in meinem E-Mail-Postfach (im Spam-Ordner) zu lesen war, dass ich über die Lotterie einen Startplatz für den Ironman Hawaii gewonnen hatte. Stimmt, da war doch was. Kurz vor Weihnachten hatte ich einfach mal einen zugeschickten Gutscheincode für ein Los eingegeben und dann auch schon wieder vergessen. Verdammt, ein Trip um die halbe Welt nach Hawaii und dann auch noch trainieren für Hawaii, das passte irgendwie so gar nicht in die Jahresplanung.
Nun ja, klar, dass ich mir letztlich als einer von nur sechs deutschen Lotteriegewinnern eine solche Chance nicht entgehen lassen konnte und entsprechend wurde die Jahresplanung dann doch etwas triathlonspezifischer angepasst und die Reiseplanung vorangetrieben. Ironman World Championships auf Hawaii? Hitze, Lava-Wüste, Wind und die weiten des pazifischen Ozeans – klingt irgendwie anstrengend und erschwerend kam bei mir die klitzekleine Tatsache dazu, dass ich bislang noch niemals eine Triathlon-Langdistanz bestritten habe. Immerhin, bei Kurz- und Mitteldistanz-Rennen habe ich schon ein paar ordentliche Ergebnisse einfahren können, eine vage Vorstellung auf das, was da auf mich zukommen könnte, hatte ich schon.
Für eine ordentliche Radform war zumindest schon mal gesorgt, durch das mehr oder weniger regelmäßige SCW-Training sollte die Schwimmerei auch irgendwie zu schaffen sein und so nutzte die drei Monate zwischen Transalp und dem Ironman vor allem zur Vorbereitung auf den abschließenden Marathon. Mit einer Mischung aus Motivation, Respekt vor dem was da auf mich zukommen könnte, Organisationstalent und viel Disziplin schaffte ich es in den letzten Vorbereitungswochen immerhin auf gerade noch so ausreichende 10 bis 14 Trainingsstunden pro Woche, ehe es am 30. September schließlich gemeinsam mit meiner Freundin über Frankfurt und San Francisco nach Kailua-Kona auf Big Island, der größten der hawaiianischen Inseln, ging.
Mit mehr als einer Woche Vorlauf vor dem eigentlichen Rennen macht es richtig Spaß den über die Rennwoche zunehmenden Wahnsinn zu beobachten. War es am Samstag noch relativ ruhig in der touristischen Kleinstadt Kailua, so wurde es von Tag zu Tag voller und extremer dort. Rund um die Uhr wurde dort entgegen jeder Trainingslehre im Höchsttempo gerannt, geschwommen und geradelt und parallel dazu verwandelte sich die Geschäftswelt im Ort in einen riesigen Ironman- und Triathlon-Store. Interessant und spannend zu beobachten war es
allemal, insbesondere da es ausreichend Möglichkeiten gibt in Kontakt mit vielen Top- und Altersklassen-Athleten zu kommen, für mich bestand die Herausforderung aber vor allem darin, mich nicht von dem Wahnsinn um mich herum anstecken zu lassen. So standen über die Woche nur noch fünf Schwimmeinheiten zur Gewöhnung an Wellengang und Salzwasser, drei lockere Läufe entlang des berühmten Alii Drive und eine von Hannes Hawaii Tours (meiner Reisegruppe) organisierte Radausfahrt somit zum Kennenlernen der Radstrecke auf dem Programm.
Die ich die Rennwoche also relativ locker angehen ließ, blieb glücklicherweise noch etwas Zeit zur Erholung und ein paar Aktivitäten auf der Insel. Fixpunkte im Programm waren dann die
Anmeldung/Registrierung und die Wettkampfbesprechung am Mittwoch, das offizielle Welcome Dinner für alle Teilnehmer am Donnerstag und schließlich der Bike-Check-in am Freitag Nachmittag, wo es einige weitere bekannte Gesichter zu sehen gab. Freitag Abend, nach der
letzten Schlacht am Nudelbuffet bei der HHT-Pasta-Party, war dann endgültig alles vorbereitet für den großen Tag.
Um 4.30 Uhr klingelte am Samstag Morgen der Wecker, ab dann musste es schnell gehen. Rasch noch ein paar Honig-Toasts gefrühstückt, die bereits vorbereiteten Taschen geschnappt und dann ab zum Shuttle Richtung Wechselzone. Im voll besetzten Van konnte man die Anspannung unter den Teilnehmern quasi greifen und als wir nach ca. zehn-minütiger Fahrt ankamen, ging es für jeden der knapp 1.900 Teilnehmer erst mal zum offiziellen Wiegen und weiter zum Bodymarking (Anbringen der Startnummer auf dem Oberarm). Bei nun langsam
einsetzender Dämmerung kümmerte ich mich dann noch um die letzten Details. Rad und Reifendruck checken, Helm bereit legen, Getränke auffüllen, Verpflegung verstauen und die Sonnenbrille griffbereit legen. Danach konnte ich immerhin noch eine gute halbe Stunde
entspannen ehe es um 7 Uhr mit dem Startschuss endlich losging.
Als gerade so passabler Schwimmer wollte ich mich bewusst aus dem größten Getümmel heraushalten und positionierte mich etwas links abseits der Ideallinie. Spätestens nach 50 Metern im Wasser waren alle taktischen Überlegungen aber dahin. Mit technisch sauberen Schwimmen war hier nichts zu holen, Überlebenskampf pur war angesagt bis zum Wendepunkt nach circa 1,8 km. Von links und rechts wurde ordentlich ausgeteilt und so beschloss ich für den Rückweg meine Gruppe ziehen zu lassen und einen weiteren Bogen zu schwimmen um die restlichen 2 km halbwegs kontrolliert wieder zurück ans Kailua-Pier zu schwimmen. Mit einer eher mäßigen Schwimmzeit von 1:19 Std kam ich immerhin wohlbehalten und dabei relativ entspannt in der Wechselzone an. Die paar Minuten, die ich dort liegen gelassen hatte, sollten am Ende sicher nicht ins Gewicht fallen. Entsprechend locker ließ ich es auch beim Wechsel angehen und ging komplett im frischen Dress auf die Radstrecke. |
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Mein Plan für die 180 km auf dem Rad war einfach: Ruhig angehen,
konstant durchfahren, gut verpflegen, nicht überziehen. Vor dem Rennen hatte ich grob ausgerechnet, dass dieses Ziel mit einer Zeit von 5:30 Std. gut zu erreichen sein sollte, am Ende zeigte die Uhr eine Split-Zeit von 5:29 Std. an und meinen Raceplan hatte ich dabei voll
eingehalten. Wie immer war es draußen in den Lavafeldern von Big Island schön warm und es blies ein ordentliches Lüftchen, wenn auch angeblich nicht ganz so stark wie in den Vorjahren. |
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An jeder der zahlreichen Verpflegungsstationen versuchte ich frisches Wasser zu
bekommen, mich zu kühlen und ein oder zwei Gels oder Riegel zu bekommen, das Motto war: lieber etwas zu viel im Tank/Magen als zu wenig.
Am Ende zahlte sich diese Taktik voll aus. Obwohl ich stets darauf achtete meinen Puls im Komfortbereich zu halten, war ich schon auf dem Rückweg der Wendepunktstrecke eigentlich nur noch auf der Überholspur. Ich fühlte mich gut und hatte das Gefühl deutlich schneller fahren zu können, doch da ich bislang voll im Plan lag, beschloss ich weiter auf Sicherheit zu setzen und versuchte die letzten rund 60 Kilometer noch so weit wie möglich zu genießen, der härteste Teil des Rennen sollte ja schließlich noch folgen. |
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| Wieder angekommen in der Wechselzone nahm ich mir wiederum die Zeit für ein frisches und trockenes Outfit ehe es nach etwa 6:58 Std auf die abschließende Marathon-Strecke ging. Ohne jegliche Erfahrung was solch eine Streckenlänge und Belastungsdauer angeht, war hier "nur" noch mein Ziel irgendwie durchzukommen. Erfreulicherweise fühlte ich auf den ersten Metern der Laufstrecke noch halbwegs frisch und entsprechend konnte ich wiederum genau mein angestrebtes Tempo von 5 Minuten pro Kilometer anlaufen. |
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Entlang des Alii Drives wurde es jetzt richtig warm und an allen Verpflegungsstationen versuchte ich mich mit Eis und literweise Wasser runter zu kühlen, zur weiteren Energiezufuhr
griff ich zu den gereichten Gels und Iso-Drinks, die ich an diesem Tag literweise in mich hinein schüttete. Was auf dem Rad schon gut klappte ging auch auf der Radstrecke hervorragend auf. Für Kühlung und Ernährung war gesorgt und Kilometer um Kilometer ging es absolut
konstant im anvisierten Tempo weiter. Die gefühlte Belastung hielt sich in Grenzen, doch spätestens ab Kilometer 30, den ich noch genau nach 2:30 Std passierte, wurden die Schritte immer schwerer und kürzer. Glücklicherweise waren es ab hier nur noch 12 Kilometer bis ins Ziel und ab hier galt es nun endgültig um jeden Meter zu kämpfen.
Gefühlt viel zu lange ging es zurück über den schier endlosen Queen K Highway und obwohl ich nun mit meinem Schlappschritt spürbar langsamer wurde überholte ich noch immer einige andere Athleten und schaffte es schließlich bis ins Ziel die Strecke ohne Gehpause durchzulaufen. Zwar spürte ich durch meine mittlerweile durchgeweichten Füße so langsam die Riesenblasen unter meinen Fußsohlen entstehen, aber auch diese aufkommenden Schmerzen konnten mich jetzt nicht mehr bremsen. Wissend um meine gute Zeit, die ich mir selbst vor dem Rennen niemals so erwartet hätte, konnte ich spätestens die letzten 500 Meter bis zur Ziellinie in vollen Zügen genießen. Durch die Anfeuerungen der zahlreichen Zuschauer am Streckenrand waren alles Schmerzen fast vergessen und mit einem breiten Grinsen im Gesicht lief ich die letzten Meter bewusst langsam in den Zielkanal und über die Ziellinie. |
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Exakt 10:42:25 Std brauchte ich am Ende für die insgesamt 226 Kilometer, was am Ende für einen Gesamtrang 851 (von insgesamt 1859 gestarteten Teilnehmern) reichte. Mehr als 1.000 der weltbesten Athleten hinter mir zu lassen, dass hätte ich mir vor dem Start bei meinem ersten Ironman niemals zugetraut, aber das spielt am Ende keine wirklich Rolle. Das einzige was wirklich zählt: Ich bin nun offizieller Finisher des Ironman Hawaii. DEM Triathlon schlechthin, der Ursprung unseres schönen Sports und wesentlicher Teil der Motivation fast aller Triathlon-Neulinge. Einmal Teil dieses Rennens zu sein, vor einem halben Jahr hätte ich davon nicht mal zu träumen gewagt, heute bin ich am Ziel einer langen Reise. I am an Ironman. Irgendwie noch immer unfassbar.
Nachtrag: Auch die Finisher-Party mit einigen Bierchen (zu viel) ist mittlerweile überstanden, die Blasen heilen gerade wieder ab und gemeinsam mit meiner Freundin, die mich während des Rennens und über all die Tage vorher wie nachher hervorragend unterstützt hat, sind wir mittlerweile auf Maui angekommen. In den kommenden Tagen werden wir hier noch ausgiebig die Insel erkunden und zum Abschluss geht es, um aus dem Hawaii-Erlebnis nicht nur ein sportliches Highlight zu machen, dann nochmals weiter auf die Jurassic-Park-Insel Kauai, wo es sicherlich noch einiges zu erleben gibt. Ich denke, den Urlaub habe ich mir wahrlich verdient. Meine Kollegen müssen leider noch ein paar Tage ohne mich auskommen.
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| Aloha vom anderen Ende der Welt und Mahalo für all die Unterstützung von zu Hause! |
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