Wer hätte
das gedacht! Seit diesem Jahr haben wir eine Frauenwertung. Na,
wenn das keine Neuerung ist! Und dann gleich drei. Toll! Letztes
Jahr musste Manne noch einer Weltmeisterin in mehreren Laufdisziplinen
absagen. Eine Frau unter soviel Männern! Ja, ja wie sich die
Zeiten ändern. Die Emanzipation macht nicht mal mehr vor dem
Rennradfahren halt.
Ansonsten ein Trainingslager wie gehabt? Von wegen! Das Wetter war
fantastisch (die Sonnenliegen waren ungewöhnlich schnell belegt),
23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (ein neuer Rekord), Brückensprints,
D-Züge, Attacken ohne Ende, 600 km und 8000 HM in fünf
Tagen! Was soll man dazu noch sagen! Es lässt sich noch viel
mehr sagen:
Unsere „Neuen“ Alexander und Sabine Roth – das
erste Ehepaar überhaupt - bissen sich in bewundernswerter Weise
durch. In dieser Form gewinnen sie ihre Klasse beim diesjährigen
Transalp bestimmt. Perfekt aufeinander abgestimmt gaben sie keinen
Zentimeter preis. Alexander schob Sabine manchmal am Berg an, was
ihre Leistung aber um nichts schmälerte. Sie war von Anfang
an immer vorne mit dabei und bot eine klasse Leistung. Am Tag unserer
Königsetappe gewann sie sogar die letzte “Brückensprintwertung“!
Und der dritte Platz von Alex beim Bergzeitfahren spricht ja wohl
für sich!
Dieses Jahr hatten wir eine weitere Premiere: ein Tandem war mit
dabei und mit Monika Hecht und Ernst Polz erstklassig besetzt.
Es zeichnete sich schon im Vorfeld der schweren Bergetappen ein
Generationenkonflikt ab. Unsere jüngste Teilnehmerin, Maria
stellte Manne auf einer Etappe die Frage: „Manne, fahrst Du
scho heim?“, als die Gruppe sich trennte und er weiter hinten
war. Manne nach der Ausfahrt: „Vor lauter Schreck habe ich
alles stehen lassen und bin nach vorne gefahren.“
Peter Speer biss sich wie immer durch. Das ging dann so weit, dass
Manne ihn auf einer Etappe aus dem “Rennen“ nehmen musste.
Man muss nämlich wissen, dass Peter ein Phänomen ist.
Eine Woche später startet er mit wenigen Kilometern in den
Beinen beim Regensburgmarathon und das war mit Sicherheit nicht
sein letzter Wettkampf in diesem Jahr. Wo nimmt der Peter nur die
Kraft her? Zu Romeo ist eigentlich schon alles gesagt. Immer zu
Späßen aufgelegt, halt ganz Italiener. Trotz seines Kugelbäuchens,
das sich unter dem T-Shirt mit der Aufschrift „ ... „
abzeichnete, konnte er gut mithalten, war aber auch schon seit drei
Wochen in Italien mit über 1000 km in den Beinen.
Heinrich war der Newcomer des Jahres 2005. Immer vorne mit dabei,
angriffslustig. Ja, so wird uns nicht bange um den Nachwuchs!
Mit von der Partie war auch wieder Wolfgang, der beim Essen immer
so viel auf den Teller aufschaufelt und meist als letzter den Tisch
verlässt. Wo wandert nur das ganze Essen hin? Am Radfahren
und Laufen allein kann’s auch nicht liegen, dass er so einen
Hunger hat!
Thomas war schon zwei Tage früher da, weil er dieses Jahr unbedingt
die verdammte 6-Stunden-Marke beim Dolomitenmarathon knacken will.
Sogar ein Trainingslager auf La Palma hat er in diesem Jahr schon
hinter sich gebracht! Wenn er sich nur mal nicht verzockt! Gegönnt
sei’s ihm ja. Wird schon klappen. Schau mer mal.
Mit Jürgen, Werner und Stephan kam am zweiten Tag die Münchner
Fraktion. Während sich Jürgen voll und ganz auf die “Deutsche
Triathlon Meisterschaft“ konzentriert (von dieser Stelle noch
mal Alles Gute), bereitet sich unser „Dok“ Stephan auf
den Ironman in Frankfurt vor (auch Alles Gute). Leider erlitt Stephan,
der sich gut durchbiss, am letzten Tag eine tiefe Schnittwunde und
musste ärztlich versorgt. Auf diesem Wege gute Besserung und
toi, toi, toi beim Ironman! Man muss sich aber keine Sorgen machen,
dass er durchkommt.
Werner entpuppte sich als exzellenter “Bergabraser“,
was von Manne wohlwollend aufgenommen wurde. Endlich mal einer,
mit dem man sich duellieren kann. Bloß aufpassen, dass einem
nicht der Reifen platzt, gell Manne!
Aber auch die anderen fuhren die Berge Kamikaze hinunter. Zwei etwas
tollpatschige junge Hunde am Wegesrand verdankten nur der Tatsache
ihr Leben, dass sie sich geistesgegenwärtig in den Graben fallen
ließen. Ansonsten wären sie wohl unter die Räder
– oder in die Speichen - gekommen.
Daniel duellierte sich mit Manne bei Bergabfahrten. Auf dem folgenden
Bild hat er aber wohl etwas zu früh gejubelt! Oder war er zu
schnell für den Photographen?
Und dann kam der Tag der Wahrheit: das Bergzeitfahren. Äußerst
akribisch geplant, damit einigermaßen eine Chancengleichheit
erhalten blieb. Manni und Christian suchten sich einen Berg aus,
der zwar hart an der Grenze des Machbaren war, aber an dem keine
Ausfälle zu befürchten waren. Und dann standen wir am
Fuße des Berges und hatten alle zittrige Knie. Wer das abstreitet,
der lügt! Im Abstand von einer Minute starteten die scheinbar
besten, während der Rest des Feldes einen Massenstart hinlegen
musste. Klaus vermutete, dass damit die bestraft wurden, die am
Vortag nur die kurze Runde gefahren waren. Reine Spekulationen!
Es half nichts: alle mussten rauf. Egal wie, egal wie lang, Hauptsache
rauf! Alfred entledigte sich noch des Inhalts einer Trinkflasche,
um einige Sekunden gut zu machen. Gebracht hat’s ihm vermutlich
trotzdem nicht viel.
Herbert Müller, der das ganze normalerweise gemütlicher
angehen lässt, sah vom Feld nach eigenen Aussagen nur noch
eine Staubwolke. Lag wohl an der Hitze. Es ging teilweise am Berg
schon an die 30° C ran. Viel Trinken war Pflicht. Manne durfte
sich bei der Siegerehrung ein Käppi aufsetzen, das seine Tochter
Karo bei der letztjährigen Tour de France von einem Betreuer
der Richard-Virenque-Equipe bekommen hatte. Unser selbstgekrönte
Bergzeitfahrkönig hatte es zuvor etwas spannend gemacht. Und
so mancher dachte sich vermutlich schon schadenfroh, dass unser
großer Meister sein Zepter nun wohl abgeben müsse. So
kann man sich täuschen! 8:35 auf 2,75 km und 180 HM bei einer
mittleren Steigung von 6,2 % ist aber auch eine verdammt gute Zeit.
Am nächsten kam ihm noch Hans-Dieter (auch keine wirkliche
Überraschung) mit 8:54.
Müller Herbert – unser Auswerter – kam zu einem
ganz anderen Schluß. „Wenn man das Systemgewicht (setzt
sich aus dem eigenen Körpergewicht und dem des vollbeladenen
Fahrrads – inklusive Trinkflaschen – zusammen) hernimmt,
dann lässt sich mit Hilfe einer bestimmten Formel (vermutlich
E=mc²) die erbrachte Wattzahl eines jeden einzelnen Fahrers
ausrechnen.“ Hä, alles verstanden? Und nach dieser Rechnung
war Herbert Schröter der große Gewinner. An seine Leistung
kam keiner ran. Zum Glück fand diese Berechnung keine Beachtung.
Na, da lassen wir es lieber bei der alten!
Unser Peter Pfeil vertrug wohl die Bowle nach der Siegerehrung nicht.
Wie sonst lässt sich erklären, dass er zu später
Stunde von einer Person, die nicht genannt werden will, voll angezogen
(inklusive Schuhe) auf seinem Bett liegend vorgefunden wurde und
(Zitat) “keinen Zucker mehr tat“. Also Peter, die Bowle
war ja wirklich harmlos!
Und dann war da ja auch noch die Königsetappe! Die Reihen lichteten
sich langsam aber sicher. Letztendlich waren es noch acht verwegene
Fahrer, die bis zum Schluss durchhielten. Klaus, Herbert, Romeo,
Maria und Costi vergnügten sich am Abend noch ein bisschen
beim Kartfahren und auf der Promeniermeile von Cessenatico. Sie
hatten auf der Königsetappe anscheinend nicht so viele Körner
verbraucht. Die anderen hingegen fielen nach und nach todmüde
ins Bett.
Was gibt es sonst noch zu berichten? Manne sorgte mit der obligatorischen
Eintütungsaktion für Beschäftigung nach dem Hartz-4-Gesetz.
Oder waren es 1-Euro-Jobs? Ach, was weiß denn ich! Es hat
den Beteiligten jedenfalls komischerweise viel Spaß gemacht.
Wir werden aber von Jahr zu Jahr auch immer anspruchsloser. Unsere
Abende waren jedenfalls ausgefüllt.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen! Und dann beging einer
ein Sakrileg (der Name wird an dieser Stelle nicht genannt, nennen
wir ihn nobody): er brachte das geheiligte Rad unseres hochverehrten
Manne zu Fall. Man kann sich vorstellen, wie unser Herz für
eine Sekunde zum Schlagen aufhörte und in die Hosentasche rutschte.
Manne sah aber gnädig darüber hinweg. Und nicht nur das:
er genehmigte uns und natürlich auch sich am Ende der Königsetappe
ein Eis und auch sonst manche Tasse Cappuccino.
Vielen Dank dafür! Das hat sicher manchem das Leben gerettet.
Manne ist halt auch ein Wohltäter.
Live Berichterstatter Daniel Speinle
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