Der
Wind, der Wind, das himmlische Kind. Ja von wegen! Man könnte
eher vom „Vom Winde verweht“ sprechen.
Unser diesjähriges Trainingslager vor dem eigentlichen Trainingslager
in Italien führte uns vom 12. bis zum 19. Februar auf die Kanareninsel
Lanzarote. Bekannt wegen seiner Lavalandschaft, die in manchen Teilen
an den Mars erinnert und den kahlen Bergen, die dem Betrachter wie
Warzen auf der nackten Haut vorkommen, hat Lanzarote noch eine weitere
Spezialität zu bieten: Wind. Wind bis zum Abwinken. Beim „Club
La Santa“ im Norden der Insel drückte er uns fast von
der Straße weg. Hans-Dieter hatte uns ja schon vorgewarnt;
schließlich musste er vor zwei Jahren noch am Hinterrad von
Christian „lutschen“, weil der Wind einfach von allen
Seiten kam und ihm zusetzte. Dementsprechend gut war er diesmal
vorbereitet.
Lieber Leser, bitte verzeihen Sie den Ausdruck, aber wir hatten
die ersten Tage einfach beschissenes Wetter. Regen und dazu noch
Wind: eine unangenehme Kombination. Erst im Laufe der Woche besserte
sich das Wetter merklich und die Sonne kam recht angenehm zum Vorschein.
Zwei von uns fünfen waren gesundheitlich schon angeschlagen,
als wir aus dem Flugzeug stiegen und so war von vornherein klar,
dass nicht alle das volle Programm durchziehen konnten. Hans-Dieter
drückte schon gleich am ersten Tag mächtig aufs Gas und
zeigte den anderen, was er so drauf hatte. Als Postbote ist das
aber auch wirklich keine Kunst: da sitzt man sowieso den ganzen
Tag auf dem Rad. Und getreu der Devise „Unter zehn Halben
geht sowieso nichts“ verdrückte er jeden Abend seine
– was weiß ich wie viel – Bier und damit jede
Menge Kalorien. Der Mann weiß, wie man sich dopen muss.
Thomas Frattoni hatte da schon mehr Probleme. Das fing beim Essen
an. Der überzeugte Vegetarier, der an einer kräftigen
Erkältung litt, musste für sich feststellen, dass „das
Essen scheiße war“. Also, uns hat’s eigentlich
geschmeckt!
Und zur besseren Verdauung besuchten wir nach dem Abendessen unser
Stammlokal „The Anchor“, wo wir unseren Anker auswarfen
und auf Großleinwand Elton John, Robby Williams und die etwas
ruppigere Sportart Rugby verfolgen konnten. Der aufmerksame Leser
wird schnell erkennen, dass hier von einem English Pub die Rede
ist.
Heiteres Wadenraten: Wem gehören wohl welche Waden?
Thomas Buchmüller war aus gutem Holz geschnitzt. Ein ganz harter
Knochen! Kein Wunder, wir hatten schließlich einen mehrmaligen
Ironman vor uns! Seine Sprüche waren zwar nicht immer druckreif
und jugendfrei. Dafür sorgte er für gute Unterhaltung
und Stimmung. Er war von Anfang an heiß auf die Straßen
der Insel, schrie förmlich danach: „Her mit den Teerblasen“
und gab sich bis zum Schluss keine Blöße. Auch wenn der
Straßenbelag manchmal „beschissen“ (Entschuldigung!)
war und eher an die Frühjahrsklassiker mit ihren Kopfsteinpflastern
(Stichwort: Hölle des Nordens) erinnerte. Nur mit der Verdauung
hatte Thomas manchmal Probleme (lag wohl am Essen), aber dieses
Dilemma konnte er nach eigener Aussage mit seinem “Hightech-Sattel
mit Aktivkohlefilter“ leicht beheben. Die hinter ihm Fahrenden
waren anderer Meinung!
Er und Christian hatten nach dem Radeln dann immer noch nicht genug
und stürzten sich in die kalten Wellen des Swimmingpools.
Zusammen mit so bekannten Triathleten wie Olaf Sabbatschus, die
auf Lanzorte überwintern und sich auf die kommende Saison vorbereiten.
Für Christian war dieses Trainingslager sowieso ein wichtiger
Gradmesser seiner Form. Mitte Mai startet er zum zweiten Mal beim
Ironman von Lanzarote und konnte sich nochmals wichtige Eindrücke
von der Radstrecke holen. Na dann Viel Glück! Lanzarote gilt
als eine der härtesten Veranstaltungen im weltweiten Wettkampfkalender.
Mein Fazit fällt durchwachsen aus. Entweder man liebt oder
man hasst Lanzarote.
Wohlgemerkt als Rennradfahrer! Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen
mussten wir erkennen, dass der Gast, also wir als Radler, hier nicht
der sprichwörtliche „König“ ist. Da standen
also fünf Radsportler mit ihrem Gepäck und den überdimensionalen
Radkartons herum und kein Taxifahrer wollte sie mitnehmen. Die Busverbindung
war sowieso nicht empfehlenswert und so warteten wir ewig, bis sich
uns ein Großraumtaxi erbarmte und gleich noch kräftig
abkassierte. Auch bei der Rückfahrt war es nicht besser. Also,
wer Geld loswerden will, dem sei Lanzarote empfohlen. Außerdem
erhöhen die Fluggesellschaften im Jahresrhythmus ihre Sperrgepäckpreise
(50 Euro, vor zwei Jahren noch 30); wenn das mal kein Wucher ist.
Aber wir wollten es ja nicht anders. Andererseits bietet Lanzarote
für den Urlauber an schönen Tagen schöne Strände
zum Relaxen und landschaftlich interessante Ausflugsziele an. Und
wer gar nicht mehr laufen kann, dem sei eine Kameltour empfohlen!

Live Berichterstatter Daniel Speinle
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